Kinder- und Musicaltheatewr Gießen zeigt „Pinocchio“ in der Stadthalle „Beim Zeichentrick oder im Comic lässt sich Übernatürliches ziemlich unkompliziert darstellen. Auf der Bühne beim Theater sieht das schon anders aus: Vor diesem Problem stand das Kinder- und Musicaltheater Gießen (KiMuGi) bei seiner Produktion „Pinocchio“. Denn wenn der Junge aus Holz lügt, wächst ihm bekanntlich die […]

Kinder- und Musicaltheatewr Gießen zeigt „Pinocchio“ in der Stadthalle

„Beim Zeichentrick oder im Comic lässt sich Übernatürliches ziemlich unkompliziert darstellen. Auf der Bühne beim Theater sieht das schon anders aus: Vor diesem Problem stand das Kinder- und Musicaltheater Gießen (KiMuGi) bei seiner Produktion „Pinocchio“. Denn wenn der Junge aus Holz lügt, wächst ihm bekanntlich die Nase. In der Stadthalle setzten die Theaterprofis die Verlängerung des Riechorgans jetzt gekonnt um: Pinocchio war im Profil neben dem Vorhang zu sehen. Den Rest erledigte täuschend echt eine rundliche Holzstange, die, durch seine Hände gleitend, auf Nasenhöhe über einen Meter nach vorne wuchs. Die meisten Kinder im Publikum staunten dabei mit offenem Mund, was passiert, wenn man lügt. Mit dem Stück „Pinocchio“ führte die Kinder- und Jugendförderung ihre Tradition fort, vor Beginn des Advents- und Weihnachtszeit ein Livetheater für die Kleinsten nach Babenhausen zu holen. Mit dem KiMuGi, eines der letzten Familientheater in Deutschland, griff Stadtjugendpfleger Michael Spiehl auf bekannte und bewährte Profis zurück. Bereits zum fünften Mal kam die Riege nach Babenhausen. Einigen Kindern und Eltern war sicherlich noch die Pippi-Langstrumpf-Produktion vom letzten Jahr in Erinnerung. Mit rund 120 großen und kleinen Besuchern erlebte das neuerliche Gastspiel eine gute Resonanz. In den rund 80 Minuten wurde die Entstehung Pinocchios vom sprechenden Holzjungen, dem Betrugsversuch von Kater und Fuchs mit dem Wunderbaum, die regelmäßige Hilfe der Fee und natürlich das Ende, als Pinocchio seinem Vater verspricht, ein anständiger Junge zu werden, kurzweilig und kindgerecht aufbereitet. Neun Schauspieler bot Kimugi auf, um die verschiedenen Rollen der weltbekannten Geschichte des Italiners Carlo Collodi zu verkörpern. Neben den ansprechenden Kostümen samt Bühnenbild überzeugte zudem die gekonnte Interaktion der Schausteller mit den Kleinsten im Publikum. Bei der Frage von Geppetto, wer heimlich seinen Kaffee getrunken hat, fiel der Verdacht nicht etwa auf Pinocchio sondern auf die Großmutter eines Kindes in der ersten Reihe. Insgesamt bot das Stück reichlich Gelegenheit, dass sich der Nachwuchs einmischen konnte. „Die haben dich angelügt!“, warnte einmal ein Dreikäsehoch Pinocchio, als ihn Fuchs und Kater um seine Goldstücke bringen wollten.“

Text: Michael Just