Abenteuer, viele neue Erfahrungen und ganz viel Spaß in der Gemeinschaft Ein Reisebericht: Pünktlich um 13.00 Uhr am Sonntagmittag direkt zum Start der hessischen Sommerferien hieß es für 20 Jugendliche und ihre drei Betreuer „Abfahrt“ zur diesjährigen Sommerfreizeit der Kinder- & Jugendförderung. Den „Zielhafen“ Lemmer vor Augen, begaben wir uns auf eine ereignis- und staureiche […]

Abenteuer, viele neue Erfahrungen und ganz viel Spaß in der Gemeinschaft

Ein Reisebericht:

Pünktlich um 13.00 Uhr am Sonntagmittag direkt zum Start der hessischen Sommerferien hieß es für 20 Jugendliche und ihre drei Betreuer „Abfahrt“ zur diesjährigen Sommerfreizeit der Kinder- & Jugendförderung. Den „Zielhafen“ Lemmer vor Augen, begaben wir uns auf eine ereignis- und staureiche Fahrt in Richtung IJsselmeer. Nach 11 (!!!) Stunden Fahrt und einem gemeinsamen Abendessen auf einem Rastplatz erreichten wir endlich unser Schiff, an dem wir bereits von unserer Skipperin Janine erwartet wurden. Aufgrund unserer nächtlichen Ankunft konnten wir leider an diesem Tag nicht mehr Segeln, sondern übernachteten in Lemmer. Nachdem jeder seine Kajüte, die doch noch etwas kleiner als erwartet ausfiel, bezogen hatte, bekamen alle neuen „Matrosen“ von unserem Skipper eine kurze Einweisung in die Verhaltensregeln an Bord und im Hafen. Besonders wichtig waren insbesondere der sparsame bzw. rücksichtsvolle Umgang mit Wasser und Strom sowie die ab 22.00 Uhr geltende „Hafenruhe“, also die Rücksichtnahme gegenüber den anderen Schiffen und Reisenden.

Nach dieser kurzen Besprechung ging dann jeder müde und geschafft in seine Koje. Am nächsten Morgen kamen unsere Skipperin Janine und unser Maat Charly dann zu einer kurzen Vorstellungsrunde und zur Besprechung der Fahrtroute zum Frühstück dazu. Leider hatten wir kein Glück mit dem Wetter. Es war Regen und sehr starker Wind gemeldet. Aufgrund des heftigen Windes konnten wir nicht aufs Meer hinaus zum Segeln, sondern mussten uns über Kanäle nach Harlingen „durchkämpfen“. Zuerst fuhren wir ein ganzes Stück mit dem Motor, später konnten wir dann wenigstens die „Fock“ zum Einsatz bringen. Am Abend kamen wir in dem beschaulichen Städtchen Heeg an. Der Regen war unser ständiger Begleiter.

An den nächsten beiden Tagen wurde das Wetter etwas besser, wir mussten jedoch wegen des starken Windes weiter über die Kanäle schippern und kamen dann, nach weiteren kleinen Stopps und von weniger Regen begleitet, über Leeuwarden und Franeker endlich nach Harlingen und somit in Richtung Wattenmeer.

Bisher war der Trip für alle noch recht entspannt, richtig gesegelt waren wir bisher ja noch nicht. Mit der „Einfahrt“ in das Wattenmeer wurde jedoch schnell allen klar, was richtiges Segeln bedeutet. Bedingt durch einen starken Seegang, aber bei gutem Wetter und Sonnenschein, hatten wir die ersten „Seekranken“ zu verzeichnen. Harlingen hinter uns gelassen steuerten wir geradewegs auf die Insel Terschelling zu. Hierbei konnten wir, zwar nur mit halber Belegschaft, aber dennoch erfolgreich erfahren, was es bedeutet, auf einem traditionellen Segelschiff unterwegs zu sein. „Segel hissen“ gleicht einem richtigen Kraftakt, der allein kaum zu meistern ist. Vielen wurde hier schnell klar, dass man sich auf diesem Trip keine Gedanken darum machen muss, dass man in dieser Zeit nicht ins Fitnessstudio gehen kann. Auf dem Weg nach Terschelling gab es dann die erste richtige Segelstunde. Wir hissten zuerst einmal wieder die „Fock“, was nach den ersten Tagen Übung bereits sehr gut lief, außerdem zogen wir zum ersten Mal das „Großsegel“ und den „Besan“ hoch. Am Nachmittag kamen wir, nach ca. sechs Stunden Fahrt auf offenem Meer, auf Terschelling an. Im Hafen angekommen, in welchem wir in zweiter Reihe anlegten, ging es zuerst einmal in Kleingruppen in die Stadt. Zum einen wurde diese erkundet, zum anderen wurde ein Supermarkt gesucht um die Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen.

Das Einkaufen in Holland stellte sich anfangs doch als etwas schwieriger dar: Weißbrot in allen Varianten, aber kein vernünftiger Laib Bauernbrot. Schoko- und Vanilleflocken sowie Früchtehagel als Brotbelag zum Frühstück, „Enkhuizer Jodekoeken“ – wohl Kekse, „Gekookte Worst“ – so etwas wie Fleischwurst …!? Andere Länder – andere Sitten eben! Aber zum Glück hatten wir zuvor in Deutschland bei ALDI ja groß eingekauft!

Wieder auf dem Schiff, fing die „Küchencrew“ gleich an das Abendessen vorzubereiten, denn auch das Kochen gehörte mit zum Programm. Jeder hatte während der Freizeit Frühstück, Mittagessen und Abendessen vorzubereiten bzw. zu kochen und auch das Spülen und Abtrocken wurde eingeteilt – jeweils unterstützt durch einen Betreuer.

Als das Abendessen verspeist war, fand die abendliche Besprechung statt, hierbei wurde entschieden, am nächsten Tag noch auf Terschelling zu verbleiben und mit dem Rad die Insel zu erkunden. Für die Betreuer bedeutete dies früh aufstehen und Fahrräder sowie Kartenmaterial besorgen; für die Jugendlichen war erst einmal „Ausschlafen“ angesagt. Nach einem reichhaltigen und entspannten Frühstück holten wir die Fahrräder ab und fuhren einmal quer über die Insel an den Strand. Hier konnten wir vor allem die Sonne und das warme Wasser genießen. In einem Strandcafé konnte man etwas gutes Essen oder einen Kaffee trinken und die Betreuer hatten einige tolle Aktionen, wie „Trockenübungen“ im Gleitschirmfliegen vorbereitet. Am Nachmittag radelten wir dann wieder zurück zu unserem Schiff. Hier bereiteten ein paar Teilnehmer dann das Abendessen vor, der Rest konnte noch einmal die Stadt unsicher machen. Nach dem Essen gingen einige Teilnehmer zur öffentlichen Dusche, weil diese, wie unsere Skipperin sagte, hier besonders gut sein solle!? Wie sich später herausstellte, leider auch viel teurer als alle anderen zuvor. Am Abend spielten wir dann noch ein paar Spiele im Hafen und gingen zufrieden ins Bett.

„10.00 Uhr Abfahrt“ hieß es am Freitagmorgen – wie immer nach einem guten Frühstück. Die Reise ging heute wieder zurück in Richtung IJsselmeer. Nach knapp drei Stunden auf dem Meer fuhren wir aus der Fahrrinne heraus, ankerten und warteten die Ebbe ab. Nach letzten Vorbereitungen für die nächsten sechs Stunden stand Entspannung nun ganz oben auf dem Programm, während das Wasser um uns herum immer weniger wurde. Als wir schließlich einen Wasserstand von nur noch knapp 20 cm erreicht hatten, erlaubte unsere Skipperin, dass wir uns in die „Fluten“ stürzen durften. Das sogenannte „Trockenfallen“ war von Anfang an, ein mit Spannung erwarteter Event der Jugendlichen. Im Wasser angekommen, stand zuerst einmal das Schrubben der Außenwände des Schiffes sowie das Erkunden des Wattes auf dem Programm und dies machte diese Aktion zu einem einzigartigen Erlebnis. Ein weiteres Highlight war sicher auch, ein hoch oben im Mast verloren gegangenes Seil, welches einer unserer Teilnehmer wieder zurückholen durfte. Hierbei wurde er auf einem Stuhl von anderen Teilnehmern und der Skipperin in den Mast hinauf gezogen. Als das Wasser mit der Flut schließlich wieder zurückgekommen war, fuhren wir am späten Nachmittag weiter Richtung Makkum, um dort im Hafen zu übernachten. Auf dieser Fahrt kam auch zum ersten Mal der „Klüverbaum“ zum Einsatz und wir fuhren fast mit allen Segeln über das Wattenmeer zurück in Richtung Schleuse.

Spät am Abend erreichten wir diesen bei angenehmer Temperatur und einem wunderschönen Sternenhimmel. Da es schon sehr spät war, konnten wir hier leider nicht mehr viel erkunden oder unternehmen, jedoch machte sich eine kleine Gruppe noch einmal auf, um die Stadt des Nachts anzuschauen, den Müll wegzubringen und einen Supermarkt für den nächsten Morgen ausfindig zu machen.

Am Samstagmorgen ging eine kleine Gruppe noch einmal schnell einkaufen und gegen zehn Uhr machten wir uns auf in Richtung Stavoren. Wir kamen jedoch nur sehr schleppend voran, da wir seit zwei Tagen nur noch mit Windstärke 1-2 segeln konnten. Stavoren war aber aus organisatorischen Gründen sehr wichtig für unsere Skipperin, da wir hier die seltene Möglichkeit hatten, das Schiff noch einmal zu tanken. Im Hafen angekommen machten sich auch hier wieder viele Kleingruppen auf in die Stadt. Nach dem gemeinsamen Essen spielten wir alle gemeinsam noch einmal ein paar Spiele, bevor jeder wieder seinen Interessen nachgehen konnte.

Am Sonntag ging es nun schon wieder zurück in Richtung Lemmer. Auf der Fahrt zum Zielhafen, welche zwar mit allen Segeln, jedoch auch mit kräftiger Unterstützung des Motors zurückgelegt werden musste, durften dann sogar zwei Teilnehmer einmal Kapitän spielen und das Schiff steuern. In Lemmer angekommen, fand der letzte große Einkauf für den Abschlussabend statt und die ersten Gepäckstücke wurden bereits in die bereit stehenden Busse gepackt, um zu viel Stress am nächsten Tag aus dem Weg zu gehen.

Am Abend sollte eine kleine „Abschlussparty“ stattfinden! Hierfür hatten sich die Betreuer eine besondere Aktion, eine „Talentshow“ ausgedacht, bei der jeder Teilnehmer etwas aufführen sollte und am Ende auch von einer Jury, die selbstverständlich auch am Wettbewerb teilnahm, bewertet wurde. Die Gewinner bekamen schließlich kleine Preise, jedoch kam an diesem Abend wirklich jeder auf seine Kosten. Die Betreuer hatten zuvor schon in der Stadt reichlich Knabbereien eingekauft und leckere Pizza bestellt – so wurde die Abschlussparty am letzten Abend ein voller Erfolg und ein schöner Ausklang einer spannenden und spaßigen Reise.

Am Montagmorgen machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Das Wetter war auf der Heimreise mal wieder nicht auf unserer Seite, so verließen wir „Holland“, wie wir es auch angetroffen hatten – im Regen!

Viele Stunden Autofahrt, eine kleine Autopanne, einige Pausen und viel nachgeholten Schlaf (zumindest von Seiten der Teilnehmer) später, konnten die Eltern ihre „Matrosen“ an der Kinder- und Jugendförderung in Babenhausen wieder in Empfang nehmen.

Nach zehn Segel- und Freizeittagen endete nun eine sehr spaßige, lehrreiche und abenteuerliche Reise für die 20 Jugendlichen und ihre drei Betreuer.

Verfasst von den Teilnehmern der Segelfreizeit.