Frische Farbe für die Unterführung Graffiti Aktionen der Babenhäuser Jugendförderung sorgt für Abwechslung in den Ferien Babenhausen. Liam schüttelt nochmal energisch die Spraydose, setzt mit zwei hellgrünen Punkten einen letzten farblichen Akzent. Dann tritt er einen Schritt zurück und betrachtet prüfend sein Werk. Dann wirft er einen Blick zu seinem Freund Phil. Sein nach oben […]

Frische Farbe für die Unterführung

Graffiti Aktionen der Babenhäuser Jugendförderung sorgt für Abwechslung in den Ferien

Babenhausen. Liam schüttelt nochmal energisch die Spraydose, setzt mit zwei hellgrünen Punkten einen letzten farblichen Akzent. Dann tritt er einen Schritt zurück und betrachtet prüfend sein Werk. Dann wirft er einen Blick zu seinem Freund Phil. Sein nach oben gerichteter Daumen heißt: „Kannst du so lassen!“

Die Buchstaben G und Z blitzen das Logo ihrer Clique mit Namen „Ghostz“. Die beiden 14-jährigen haben es in schwarzer und grüner Farbe auf eine Wand an der Fußgänger-Bahnunterführung in Babenhausen gesprayt. Ganz legal und sogar gewollt. Denn die städtischen Kinder- und Jugendförderung hat für diesen Sonntagnachmittag zu einer Graffiti-Aktion eingeladen. Neben Liam und Phil sind acht weitere Jugendliche gekommen, um die triste, beinahe Furcht einflößende Unterführung in ein buntes Kunstwerk zu verwandeln. Für ihr Graffiti haben Liam und Phil eine eher unauffällige Stelle ausgewählt. Sichtbar ist ihr Logo dennoch. Und es lenkt den Blick auf ein größeres Motiv mit Botschaft. Neben den Schriftzug „I am human“ haben einige Jugendliche das lachende Gesicht eines Kindes gesprayt. Nicht frei aus dem Handgelenk, sondern mithilfe einer Schablone. „Stencil“ nennt sich die Technik entsprechend wie Benny Olschewsky erklärt.

Er hat schon mehrere Graffiti-Aktionen begleitet und ist auch beim jüngsten Projekt der Jugendförderung federführend. Mit der Stencil-Technik hat er bereits Motive aus seiner Reihe „I am human“ auf den Außenwänden des Jugendzentrums angebracht. Auch das lachende Kindergesicht, das nun an der Unterführung eine Wiederholung findet. „Durch die Black-lifes-matter-Bewegung hat der Slogan eine neue, aktuelle Bedeutung bekommen“, sagt Benny Olschewsky. „Es bleibt aber jedem selbst überlassen, den Satz zu interpretieren. Abgesehen von der I-am-human-Kampagne sind die Jugendlichen frei in ihren Gestaltungsideen für die Fußgängerunterführung. Einige Motive und Schriftzüge knüpfen an die ersten Graffiti-Aktionen an, zu der die städtische Jugendpflege im September des Vorjahrs eingeladen hatte. Und auch diese Aktion war bereits die Fortführung eines bestehenden Projekts, das schon vor zehn Jahren seinen Anfang genommen hatte. Damals gehörte das Graffiti-Künstler-Duo „Feezy E & Fuchs“ noch zu den Jugendlichen, die regelmäßig das JUZ aufsuchten. Heute sind beide erwachsen und haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Den Bildern der Jungs steuern sie einige Motive bei. „Graffiti ist eine ehrliche und reine Kunstform, weil sie im öffentlichen Raum stattfindet, jeder bei der Entstehung zusehen kann und auch kommentieren darf.“ Sagt Feezy E. Es sei wichtig, dass auch die Jugend im öffentlichen Raum ihre Spuren hinterlassen darf. Für die Jungs und Mädchen ist die Graffiti-Aktion zudem eine willkommene Abwechslung in der außergewöhnlichen Corona-Zeit. Erst über Wochen von Kontaktbeschränkungen, Home-Schooling und der Schließung aller sonst üblichen Treffpunkte betroffen, hatten die Jugendliche auch in den Sommerferien nur wenige Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten. „Eigentlich wollte ich in die Reiterferien und hätte beim Turnier des Babenhäuser Reitvereins mitgemacht. Aber leider ist alles abgesagt worden“, erzählt Annika. Immerhin seien ein paar Tage Urlaub mit der Familie an der Nordsee drin gewesen. „Ich finde die Graffiti-Aktion toll, weil ich mich hier endlich wieder mit Freunden treffen kann“, sagt die 14-jährige. Phil hat in den Sommerferien Plätze in Babenhausen neu entdeckt, die er vor Corona verloren hatte. „Ich bin wieder öfter mit dem BMX-Rad auf dem Dirt-Park gefahren“, sagt er. Auch im Schwimmbad ist er seit Wiedereröffnung regelmäßiger Gast. Während der Corona-Schließungen habe er viele Graffiti-Motive gezeichnet. „Es gefällt mir, dass ich ein paar davon jetzt auch sprayen kann.

Quelle: Darmstädter Echo; 04.08.2020