Von Corinna Hiss Das Mittelalter hautnah miterleben: Beim Osterferienspecial lernen die Kinder, wie es damals zuging und legen selbst Hand an. „Geb dich geschlagen“, tönt es vor dem Jugendzentrum. „Niemals!“, […]

Von Corinna Hiss

Das Mittelalter hautnah miterleben: Beim Osterferienspecial lernen die Kinder, wie es damals zuging und legen selbst Hand an.

„Geb dich geschlagen“, tönt es vor dem Jugendzentrum. „Niemals!“, kommt prompt die Antwort. „Früher mussten die Ritter sich mit bloßen Schwertern verteidigen“, weiß Juliano, der die Szene seiner beiden Freunde beobachtet.

Beim Osterferienspezial der Kinder- und Jugendförderung Babenhausen verwandelten sich gut 20 Kinder in starke Ritter und adrette Burgfräuleins. „Abenteuer Mittelalter“ lautete das Motto, das sich Michael und Heidi Spiehl dieses Jahr ausgedacht haben. Und das mit Erfolg: Das Angebot in den Osterferien war bis auf den letzten Platz besetzt, einige Kinder mussten sogar abgewiesen werden.

Fünf Tage lang drehte sich im Jugendzentrum alles um Mittelalter. Ein besonderer Höhepunkt war der Ausflug ins Schloss Erbach im Odenwald. Dort erlebten die Kinder das düstere Zeitalter hautnah. „Die Burg war toll“, schwärmte Tamay. Besonders angetan hatten es der Neunjährigen die imposanten Hirschgeweihe, die in den dunklen Gängen der Burg hängen. Um sich aufs Thema einzustimmen, wurde am ersten Tag ein Ritterfilm geschaut, in dem alles Wissenswerte übers Mittelalter und die damalige Lebensweise erklärt wurde.

Mit viel Liebe zum Detail betrieben Michael und Heidi Spiehl beim Osterferienspecial lebendigen Geschichtsunterricht. Dabei achteten sie darauf, dass sowohl die Mädchen als auch die Jungs auf ihre Kosten kamen. Geschlechtertrennung herrschte daher am Donnerstag bei der Kinder- und Jugendförderung. Drinnen hatte sich die Küche des Jugendzentrums in eine Nähstube verwandelt. Garn, Bordüren, Tüll und Stoffreste lagen verstreut herum. Inmitten des Chaos war Heidi Spiehl umringt von einer Horde Mädchen, die ihren Papierhut verschönern wollten. „Die Bordüre muss genau mit dem Heißkleber am Hut befestigt werden“, erklärte die pädagogische Mitarbeiterin geduldig. Die Arbeiten an der Nähmaschine erledigte sie selbst, den Rest durften die Mädchen alleine machen. Lange Gewänder, Haarbänder und ein aufwendiger Hut gehörten zum Outfit, das die weiblichen Teilnehmer in holde Burgfräulein verwandeln sollte. „Das Mittelalter ist interessant, denn da gab es noch keine Autos. Die Menschen fuhren mit Kutschen herum und bauten ihre Häuser aus Holz“, berichtete Marleen stolz, was sie die vergangenen Tage gelernt hatte. Emma, die dabei war, die richtige Bordüre für ihren Hut auszusuchen, malte sich einen weiteren Vorteil am Leben im Mittelalter aus. „Ich wäre gern Prinzessin“, ließ die Achtjährige verlauten.

Draußen waren die Jungs damit beschäftigt, unter Anleitung Schwerter und Schilder zu lackieren. Mit Begeisterung wurde dort gesprüht und verziert. Juliano hatte sich entschieden, einen Schlüssel auf seinen Schild zu malen. „Das ist das Zeichen, an dem ich erkenne, wer mein Feind ist und wer nicht“, sagte der Zehnjährige, versunken in die Welt vor 1000 Jahren. Denn das hatte er mittlerweile gelernt: Ein Burgherr erkannte seine Ritter anhand eines Wappens auf dem Schild. Jeder, der dies nicht hatte, gehört dem feindlichen Lager an.

Auf einer Holzplatte ist in mehreren Tagen Arbeit eine Miniatur-Burg entstanden. Zugbrücke, Torbogen und Aussichtsturm haben die Kinder getreu dem Original angefertigt. Die Burg soll in der Stadtbücherei ausgestellt werden und dann Ende des Jahres einen neuen Besitzer finden. „Das SOS-Kinderdorf freut sich sicher über dieses Weihnachtsgeschenk“, sagte Michael Spiehl.

 

Offenbach-Post vom 26.04.2014